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Mittwoch, 8. Dezember 2010

Erster Rundbrief - Erstes Fazit

Shalom!

Nun ist es also soweit, mein erster Rundbrief nach nunmehr drei Monaten hier in Israel. Ich kann wohl von mir behaupten bis jetzt sehr viel erlebt zu haben.

Zuvor möchte ich euch aber erst einmal erzählen was ich genau mache, wo ich wohne, mit wem ich wohne und wo ich arbeite.

Seit dem 1. September lebe ich in Ramat HaSharon, einem ruhigen Ort nahe Tel Aviv. Angekommen sind wir in der Nacht bei sommerlichen Temperaturen inkl. der bereits angekündigten extrem hohen Luftfeuchtigkeit. Abgeholt wurden wir von einem Taxi das uns allesamt zu unserem Projekt, welches ebenfalls in Ramat HaSharon liegt, gebracht hat. Dort angekommen wurden wir begrüßt und man hat uns der Schicht zugeteilt welche auch unseren Wohnort bestimmt. Mein Apartment befindet sich in Ramat HaSharon und ich lebe dort mit drei anderen deutschen Volontären.

Mein neues Leben hier ist nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen, in Deutschland haben wir viel über den sogenannten Kulturschock geredet. Wenn ich ehrlich bin konnte ich mir das nie so richtig vorstellen. Hier angekommen sieht alles etwas anders aus. Es ist nicht gerade ein Schock, aber ich muss mir eingestehen, dass die Uhren hier anders ticken. Die ersten Eindrücke waren ganz besonders stark: Palmen, Strand, Hitze, andere Menschen, andere Lebensweise, andere Mentalität. Alles in allem eben eine ganz andere Kultur!

Ich arbeite fünf Tage die Woche in der Frühschicht von 7-15 Uhr. Meine Arbeit empfinde ich als große Herausforderung welche mir aber dennoch einen riesen Spaß bereitet. Zu Beginn meiner Schicht arbeite ich zunächst im Haus bzw. dem Schlafbereich der Autisten. Jeder Friend hat sein eigenes Zimmer, im restlichen Hausbereich befinden sich eine Küche und ein geräumiger Wohnraum, in dem ich bis ungefähr halb 9 arbeite. In meinem Haus leben acht Friends (Als Friends bezeichnen wir die Autisten) und meine Aufgabe ist es, sie morgens zu wecken, sie frisch zu machen und sie evtl. zu duschen, da es immer mal passiert dass ein Friend ‚Kaki‘ oder ,Pipi‘ (hebräisch) macht und z.Z. anfängt diese im Zimmer zu verteilen. Nach dem Wecken müssen wir das Essen für die Friends zubereiten. Das Essen verläuft meist relativ ruhig, wobei es normal ist, dass der Tisch ab und zu mal einem Schlachtfeld gleicht, das es zu beseitigen gilt.

Um halb 9 werden die Friends in ihre Gruppen gebracht, wo sie jeweils spezifische Arbeiten verrichten. Ich arbeite in dieser Zeit in der Gartengruppe. Meine Aufgabe in dieser Gruppe ist es, mich mit Hilfe der Friends um das Außengelände zu kümmern. Im Mittelpunkt stehen dabei die Friends – die Arbeit mit den Friends. Das bedeutet, dass man Geduld mitbringen muss - Geduld ist bei dieser Arbeit das wichtigste. Zunächst beginnt man mit den Friends die Blumen und Pflanzen zu wässern und neue Pflanzen zu pflanzen. Dies hört sich leichter an als es ist, denn wenn ich mit einem Friend aus meiner Gruppe versuche eine Pflanze in die Erde zu setzen, ist dies immer eine Herausforderung. Mal wird die Pflanze einfach kaputt gemacht und ein anderes Mal wird die Erde nach dem Pflanzen nicht um die Pflanze sondern auf die Pflanze geworfen. Und wenn man es geschafft hat, kann es gut sein, dass am nächsten Tag ein Friend die Pflanzen wieder rausgerissen hat weil diese ihm nicht vertraut waren und nicht in sein Ordnungsschema passen. Wenn man Geduld mitbringt kann man jedoch Fortschritte sehen und man merkt, dass die Friends einen immer mehr verstehen und vor allem auch respektieren. Um 10 Uhr gibt es dann ein gemeinsames kleines Essen mit den Friends zusammen, meistens einen Salat und ein kleines Sandwich dazu, welches wir zubereiten. Danach können wir den Rest des Tages bis um 2 Uhr selber gestalten. Meistens gehe ich mit ein paar Friends der Gruppe in den Pool, da sie diesen sehr mögen und immer eine Menge Spaß haben. Es ist natürlich nicht immer einfach in den Gruppen und man wird bei der Arbeit gefordert und auch gebraucht, man muss sehr schnell viel Verantwortung übernehmen und macht mehr oder weniger die Arbeit eines Festangestellten.

Die Gruppenzeit ist um 2 Uhr beendet und die Friends kehren in ihre Häuser zurück wo sie Mittagessen bekommen. Das Mittagessen gestaltet sich nicht so leicht wie es sich anhört. Im Prinzip sind es dieselben Probleme wie beim Frühstück, nur mehr davon. Ein Friend möchte nicht essen, ein anderer fängt an um sich zu schlagen und ein dritter fängt an sich mitten im Wohnbereich auszuziehen. Alles in allem ist aber auch das zu schaffen und nach ein kleinwenig Zeit sitzen auch alle Friends zusammen am Essenstisch.

Nachdem die Friends gegessen und wir alles gespült und aufgeräumt haben, ist mein Tag eigentlich schon fast vorbei und ich ruhe mich die letzten fünf bis zehn Minuten noch ein bisschen aus und esse vielleicht eine Kleinigkeit bevor ich dem Schichtwechsel einen angenehmen Arbeitstag wünsche und das Haus verlasse – Einen schönen Tag! Yom Tov!

Die Arbeit die ich hier verrichte ist eine Arbeit die mir eine Menge Spaß bereitet, neben extremen Situationen merkt man, dass man nach und nach immer näher an die Friends herankommt und ihr Vertrauen gewinnt!

Dies habe ich besonders bei einem speziellen Friend aus meiner Gruppe gemerkt – Yonnie ist sein Name. Als ich in die Gruppe kam, hat man mir gesagt, dass man bei ihm sehr vorsichtig sein und sehr freundlich mit ihm umgehen muss um sich seinen Respekt über einen langen Zeitraum verdienen zu können. Nach gut zwei Monaten hatte ich einen besonderen Moment mit ihm. Wir waren mit unserer Gruppe in der Lobby, in der ein guter Freund, welcher auch im Kfar Ofarim arbeitet, ein kleines „Rockkonzert“ mit seiner e-Gitarre für die Friends veranstaltet hat. Ich saß neben Yonni und war bedacht möglichst nett zu ihm zu sein um ihn nicht zu reizen. Auf einmal schaut er mich an, greift meine Hand und streichelt sie – ein paar Minuten verstreichen und wir verbleiben so. Auf einmal schaut er mich noch eindringlicher an und sagt mir auf Englisch(!) wohlgemerkt: „I love you, i love you too, I’m happy today!“. Ein besonderer Moment, welcher mich sehr glücklich gemacht hat auf eine besondere Art und Weise.

Mit diesen Eindrücken will ich es fürs erste belassen, im Februar erwartet euch der nächste Rundbrief, in dem ich euch dann mehr über das Land und die Kultur erzählen werde!

Grüße aus dem fernen Israel, Max!

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